Privatärztliche Psychiatriepraxis Dr. med. Jakobeit
Privatärztliche Psychiatriepraxis Dr. med. Jakobeit

Werbekampagne für Ärzte "Wir arbeiten für ihr Leben gern."

Dem drohenden Imageverlust der ärztlichen Zunft (Korruptionsverdacht, durchgeknallte Krankenversicherungen, die ihre Mitglieder zur steckbrieflichen Meldung verdächtiger Ärzte aufrufen, Krankenhausverwaltungen, die bei der Anstellung kein Zeugnisse lesen können und Kollegen ohne gültige Approbation und zum Teil mit fehlenden Fachkenntnissen anstellen, ambulante Praxistermine nach monatelanger Wartezeit) will die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit einer Plakat- und TV-Kampagne entgegenwirken. Die emotional gehaltene Darstellung ist sicher ein werbetechnisch gelungener Auftritt. Auch viele Details des Arbeitsalltages von Ärzten und einiges Zahlenmaterial ist überzeugend aufbereitet. Schauen Sie sich die Internetseite doch selbst einmal an: www.ihre-aerzte.de

Was mir aber massiv den Spass daran verdirbt, und schließlich wird die Kampagne ja auch mit meinen Mitgliedsbeiträgen finanziert, ist, daß man mein Fachgebiet einfach unerwähnt läßt. Eines der wichtigsten Fachgebiete der Medizin mit Krankheitsbildern, deren Häufigkeit an Volkskrankheiten mit Epidemiecharakter erinnern (z.B Demenz), ist den Machern nicht einmal eine Erwähnung wert.

 

Vermutlich eben doch nur pure Werbung und da stört der Begriff "Psychiatrie" gewaltig.

 

Bilden Sie sich selbst eine Meinung!

 

Freundlichst

Ihr Dr. Gottfried Jakobeit

Blutuntersuchungen in der Psychiatrie

Einmalige oder regelmäßige Blutwertbestimmungen spielen in der Psychiatrie eine wichtige Rolle in der primären Diagnositik, d.h. der Klärung körperlicher Ursachen psychischer Erkrankungen und in der frühzeitigen Erkennung möglicher Nebenwirkungen psychopharmakologischer Medikamente.

 

1. Diagnostik: Dabei ist es notwendig eine Standardbestimmung wesentlicher Blutparameter durchzuführen. Wir lassen aus dem, von uns, bei unseren Patienten entnommenen Nüchternblut, folgende Parameter bestimmten: Großes Blutbild, d.h. die zellulären Bestandteile, Leberwerte( GGT, GOT und GPT), Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff), Fettstoffwechselwerte (Gesamtcholesterin, Triglyceride), Serumelektrolyte (Natrium, Kalium, Calcium), Blutglukosewert, ggf. den Langzeitwert (HBA1c), den Schilddrüsenfunktionsstatus (indirekt durch TSH basal), sowie bei Entzündungsverdacht zusätzlich das C-reaktive Protein quantitativ.

 

2. Routineuntersuchungen bei spezieller Dauermedikation:

 

a. Bei Lithiumeinnahme (z.B. Quilonum): vierteljährlich, ggf. auch halbjährlich Lithiumspiegel, TSH basal, Kreatinin, Elektrolyte, Blutbild.

 

b. Bei Valproat (z.B. Ergenyl): vierteljährlich ggf. halbjährlich Valproatspiegel, Blutbild, Kreatinin, GGT, Lipase, Gerinnungsstatus.

 

c. Bei Carbamazepin (z.B. Tegretal): vierteljährlich ggf. halbjährlich Carbamazepinspiegel, Blutbild, Serumelektrolyte, GGT.

 

d. Beim Sonderfall Clozapin (z.B. Leponex): In der Einstellungsphase muß in den ersten 18 Wochen wöchentlich das Blutbild bestimmt werden. Wir bestimmen routinemäßig das sogenannte große Blutbild, um einen Granulozytenabfall frühzeitig zu erkennen. Sind diese Werte immer unauffällig, muß für die Zeit der Einnahme des Medikamentes weiterhin monatlich die Blutbildbestimmung garantiert sein. Nur bei zuverlässigen Patienten und nachgewiesener Blutbildbestimmung beim Hausarzt, verordnen wir Clozapin dann ausnahmsweise ohne eigene Blutbildbestimmungen.

 

e. Blutspiegelbestimmungen bei Neuroleptika: Diese Bestimmungen sind kostspielig und insbesondere bei atypischen Neuroleptika unsicher, da ein sehr, sehr großer therapeutischer Bereich angegeben wird, der m.E. zu unsicher für die individuelle Dosisfindung ist. Wir lassen nur bei Clozapin diese Bestimmungen durchführen, da hier eine nachgewiesene Realation zwischen Blutserumspiegel und Wirksamkeit besteht. In aller Regel sind Werte von 300µg/l anzusteben, obwohl der therapeutische Bereich je nach Labor zw. 50 und 700µg/l angeben wird.

 

 

 

Narzissmus

 Narzissmus (1.Teil):  Leistung, Leistung über alles…..



Bei genauem Hinsehen zeigt sich für mich sehr eindrucksvoll, wie dieser abstrakte Begriff sehr viel mit psychischen Krankheiten und Störungen zu tun hat.

Die Öffentlichkeit nimmt immer mehr zur Kenntnis, dass psychische Erkrankungen zu einem gesellschaftlichen und kommerziellen Problem werden.
Was früher als individuelles Schicksal einzelner Personen leichter zur Seite geschoben werden konnte, beschäftigt heute notgedrungen die Chefetagen der Großkonzerne.
Die durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nehmen immer mehr zu. Auch sind Beeinträchtigungen, die ihre Ursachen in psychiatrischen Erkrankungen haben, mittlerweile wichtigster Grund des verfrühten Eintrittes von Erwerbsunfähigkeit und damit des Rentenfalles.
Über die finanziellen Kosten müssen wir hier nicht reden.

Viel interessanter finde ich das Nachdenken über die, dieser Entwicklung zu Grunde liegenden psychosozialen Ursachen. Wer da populärwissenschaftlich von „ Stress“ redet, verliert jeden historischen Vergleich aus dem Auge. In den fünfziger und sechziger Jahren haben die Menschen wesentlich mehr Arbeitszeit bei viel unangenehmeren Arbeitsbedingungen be- und überstehen müssen. Auch der Ton zwischen Arbeitsgebern und Angestellten war erheblich rauer. Urlaubsreisen war für die meisten Zeitgenossen ein absolutes Fremdwort.

Und warum gelang es gerade damals ohne psychischen Kollaps
und mit unglaublichem Erfolg ein sogenanntes „Wirtschaftswunder“ zu gestalten?

Es muss mit den innerpsychischen Bedingungen der Beteiligten zu tun gehabt haben.

Die Welt war außerdem durchschaubarer, wer rangeklotzt hat, der konnte mit Erfolgen rechnen. Die Bürokratie war viel schlanker, kausale Zusammenhänge erkennbarer, Ablenkung vom Wesentlichen, wie heute durch Internet und Massenmedien, gab es nicht. Und: Beziehungen waren mehr als heute durch gemeinsame Inhalte und Ziele definiert.

Aber Leistung stand auch zu unserer Großeltern Zeit bereits im Mittelpunkt der weltanschaulichen Ideale, hatten doch andere, ideologische, so kläglich versagt.

 

Bringt man den Begriff „Leistung“ mit psychiatrischen Krankheitsbildern in Zusammenhang, dann lassen sich Störungen, die mit Leistungseinbußen bis zum gänzlichen Leistungsverlust, also Demenzerkrankungen und schizophrene Residualsyndrome einerseits und Auffälligkeiten, bei denen Leistungsmaximierung im Zentrum der Symptomatik steht, wie narzisstische Persönlichkeitsstörungen andererseits, unterscheiden.

Beide werden unsere Gesellschaft langfristig an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Für die Behandlung der demographisch verursachten Zunahme von Demenzerkrankungen wird unser öffentliches Gesundheitswesen in zwanzig Jahren in etwa so viele finanzielle Mittel aufbringen müssen, wie für alle anderen Erkrankungen heute.

Und was Narzissmus für Schaden anzurichten vermag, wissen wir seit Hitler. Spätestens! Heute wird den, in dieser Weise Gestörten, den pathologisch Selbstverliebten, eine Bühne bereitet, wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Fast das gesamte Fernsehprogramm ist für jene gemacht, die entweder sich beim Promi-Dinner oder in irgendeiner Casting – oder Talkshow produzieren müssen. Die wirklich erfolgreichen Narzissten, z.B. millionenschwere Bänker krisengeschüttelter Bankinstitute, zeigen sich dagegen mit Victoryzeichen in Gerichtssälen, wo ein tradiertes, den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsenes Justizsystem ebenfalls Bühne und Darstellungsraum bietet.



 

Die Wirklichkeit wird inszeniert, ist mehr oder weniger gelungenes Theater, ob opernähnlich oder königlich-bayerisch.

Diesem Narzissmus kann in so genannten „sozialen“ Netzwerken im Internet gefrönt werden oder im „realen“ Leben in Schule und Büro. Dabei steht die Selbstdarstellung, auch mit Präsentation der eigenen Leistungsfähigkeit, des coolsten Outfits und des schlagkräftigsten Konversationsstiles, wesentlich mehr im Vordergrund, als differenzierte, sachorientierte und zielgerichtete Argumente zur bestmöglichen Erreichung eines erstrebenswerten individuellen oder gemeinschaftlichen Zieles, über dessen Sinn allgemeine Übereinstimmung herrscht.

 

Und die Psychiatrie? Sie hat immer mehr mit den Folgenerscheinungen dieser Entwicklungen zu tun. Burn-out, Fibromyalgie, psychovegetative Erschöpfung, Mobbing, Depression…… Klar, die Begriffe sind letztlich austauschbar, gemeint ist nach meiner Meinung doch nur das: Es ist ungeheuer ermüdend, längere Zeit immer wieder mit Kollegen, Chefs, Ehepartnern oder Internet-“freunden“ sich zu messen, eigenen Wert und Wichtigkeit bestätigt bekommen zu wollen, Ansehen zu erringen, viele „Freunde“ in der Cyberwelt zu finden. Und letztlich ist es sinnlos. Dabei fällt mir eine Definition von Depression ein: „Depression ist Flucht in Sinnlosigkeit“.

Anders ausgedrückt: Narzissmus führt über kurz oder lang immer in die Depression.Was also wichtig wäre, um den psychischen overkill zu verhindern, ist echte Narzissmusprävention. 

 

Narzissmus (2. Teil): Prävention

 

Ich sehe täglich Menschen, die an eigenen und fremden Leistungsansprüchen scheitern oder gar zerbrechen und darauf mit unterschiedlichsten Symptomen reagieren. Der überwiegende Teil der Betroffenen reagiert mit Depressionen und Somatisierungsstörungen. Vielleicht sind auch manche Süchte ursprünglich durch die frustrierende Wirkung nicht erreichter, selbstgesteckter Lebensziele entstanden.

Auf einer tieferliegenden Ebene sind aber so genannte neurotische Störungen, als Erkrankungen die durch Erlebnisse hervorgerufen werden, nur erklärbar, wenn man den Faktor „Persönlichkeit“ mit berücksichtigt.

Unter Persönlichkeit verstehe ich die Gesamtheit unseres Wahrnehmungs-, Empfindungs-, Erlebens-, Denk- und Handlungsrepertoires.

 



Um es zu verdeutlichen: Wir können die Welt als eine einzige
Gefahrenquelle wahrnehmen, wir erleben also unsere Umwelt bedrohlich und empfinden Lebenschancen als Belastung und nicht als Herausforderung und verhalten uns abwartend, passiv, suchen Schutzräume auf. Eine solche Person, die in der beschriebenen Weise existiert, darf man mit Fug und Recht als ängstlich strukturierte  Persönlichkeit bezeichnen.

 

Narzisstisch gestörte Menschen dagegen empfinden andere Menschen entweder als Bedrohung oder zumindest als Konkurrenz, wollen diese mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln abwehren und vermögen ist nicht, mit Empathie Schwächeren und Bedürftigen entgegenzutreten. Diese Menschen leben nach dem Motto „ Jeder ist seines Glückes Schmied, wer versagt, ist selber schuld.“ Gesellschaft anderer Menschen suchen sie eigentlich nur deshalb auf, um sich von diesen bewundern oder huldigen zu lassen. Ein eigentliches Bedürfnis nach menschlicher Nähe können sie nicht entwickeln, da sie dieses auch in ihrer Kindheit und Jugend niemals erfahren haben. Sie haben vielmehr Eltern erlebt, die sie nie bedingungslos umarmt und geküsst, ihnen niemals vermittelt haben, dass sie das Wichtigste in ihrem Leben sind. Stattdessen haben diese ihnen nur Anerkennung und Achtung gezollt, wenn
besondere Leistungen von den Kleinen abgeliefert wurden. Sei es, dass sie in der Schule zu den Besten gehörten, nein falsch, die Besten waren, oder auf einem kulturellen oder sportlichen Gebiet sich von der Masse hervorgehoben. Ob Genie im Geigenspielen oder, wie ehemals Boris Becker, Tennisstar, wichtig ist diesen Eltern nicht so sehr der Inhalt dessen, mit dem sich ihre Kinder beschäftigen, als vielmehr der Rang, den sie in Konkurrenz zu den
Altersgenossen erringen. Der verzweifelte Kampf so mancher Eltern um eine Grundschulempfehlung ihrer Kinder zu Gunsten des Gymnasiums, früh begonnen mit Nachhilfeunterricht und „Förderung“ auch auf dem Umweg von Sponsoring der entsprechenden Einrichtung, zeigen, welche Dynamik narzisstische Eltern ihren, später hochwahrscheinlich ebenfalls narzisstisch gestörten Kindern in Punkto Leistungsdenken entgegen bringen.

Dabei ist Nazissmus keinesfalls ein Privileg von Bildungsbürger. Auch das so genannte Prekariat, ein postmoderner Begriff für Proletariat, vermutlich auch von Narzissten kreiert, schafft seinerseits ein Milieu, in dem Narzissmus durch besondere Männlichkeit oder verführerische Weiblichkeit seinen Ausdruck findet, da beruflicher Erfolg ja nicht vorzuweisen ist.

Waren beispielsweise vor 20 oder 30 Jahren Tätowierungen nur innerhalb gesellschaftlicher Randgruppen und bei bestimmten Berufsangehörigen üblich, sind diese heute durchaus auch in gutsituierten Gesellschaftskreisen sehr beliebt um sich selbst darzustellen, aufzufallen und von anderen „schlechter Tatowierten“ zu unterscheiden. So manche geschminkte Schönheit ist innerlich im narzisstischen Sinne verwundbar klein und bringt nur mit viel Farbe im Gesicht sich in ein fragiles Gleichgewicht.

Narzisstisch veranlagte Kinder brauchen das Allerneueste aus
dem Apple-Konzern und tragen selbstverständlich Markenkleidung, besser noch Designerklamotten.

Die Peinlichkeit von Auftritten junger Menschen in so genannten Castingshows im deutschen low-level-Fernsehen ist der pure Narzissmusbeweis. Dabei strengen sich diese Menschen ungeheuer an um es anderen Recht zu machen.
Doch sie werden immer scheitern. Das Perfide an dem System ist , dass sie niemals andern gerecht werden und ihre früh verletzte Seele (verzeihen Sie mir den pathetischen Ausdruck) nur noch mehr beschädigt wird.

 

Aber ihre großen Vorbilder, die Film und Fernsehstars, die Rockgrößen, die Fußballlegenden, aber auch Regierungschefs und
Bundespräsidenten, leiden an ein und denselben Symptom, das man so in einen Satz fassen könnte: „Ich bin nicht genug, ich muss der Beste sein.“

 



Was ist zu tun, wenn wir der Ausbreitung dieser Epidemie
entgegen treten wollen?

 



  • Wir müssen uns unsere Motivation, warum wir etwas tun, jeden Tag wieder selbst bewusst machen. Es geht also darum, sich selbst Rechenschaft abzulegen, warum wir wie verbissen unseren Beruf, unserem Hobby, unserem Körperkult, unserem Sport, unseren kulturellen Interessen nachgehen. Interessiert uns das Thema oder interessiert uns die Wirkung, die wir damit erreichen? Wollen wir andere damit beeindrucken? Und wenn ja, was versprechen wir uns davon? Selbstreflektion ist der wichtigste Schritt zur eigenen Narzißmusprophylaxe.

 

  • Kinder brauchen Grenzen! Leider verkommt der Freiheitsbegriff, mit dem wir uns täglich füttern, sei es angeheizt durch Werbung oder den Gebrauch von Luxusgütern (z.B. PS-starke PKWs) zur reinen Willkür. Ich will hier nicht die philosophisch ausgesprochen reizvolle Fragestellung, was denn beide Begriffe unterscheidet, erörtern, aber Willkür ist doch nach meiner subjektiven Beobachtung ein zunehmendes gesellschaftliches Phänomen. Wenn aus unseren Jüngsten keine empathielosen Monster in Nadelstreifenanzügen werden sollen, die zwar in Pisastudien (auch ein narzisstisches Kunstprodukt) ganz vorne abschneiden, bei der Brügelattacke auf ihren Sitznachbarn im Bus aber wegschauen, dann müssen sie erfahren, ggf.mit klaren Konsequenzen, daß Gefühllosigkeit nicht cool, sondern krank ist, dass eigene Wünsche und Bedürfnisse natürliche Grenzen haben, die im Recht des Anderen und in Tabus gründen, die nicht beseitigt werden können.

 

  • Ganz konkret empfehle ich nazisstisch gefährdeten Eltern: Statt Klavierunterricht und Höchstbegabtenunterricht, Besuch
    Ihres Kindes bei Oma im Altersheim. Und zwar regelmäßig, einmal die Woche. Die kann man ja dann mal ausführen…. ins
    Cafe oder so…
    Statt einer Reise nach Australien und Neuseeland als Belohnung für das Einserabitur, ein Freiwilligenjahr in einer Behinderteneinrichtung. Statt zum Studienbeginn einen eigenen PKW, regelmäßige mehrstündige Gespräche über das Studium, dessen Inhalte und Schwierigkeiten. Wie wäre es liebe Eltern, wenn Ihr euch mal eine Vorlesung selbst antut?

 

  • Liebe kann man nicht verordnen! Viele Eltern lehnen unbewußt ihre eigenen Kinder ab. Sie glauben beispielsweise, dass durch sie eigene Lebenspläne nicht verwirklicht werden konnten.

„Wegen Dir konnte ich nicht studieren. Und heute machst du mir noch Schwierigkeiten.“ Solche Sätze sind für Kinder zerstörerisch. Aber noch viel schlimmer scheinen mir subtile Zurückweisungen über viele Jahre. „Deinetwegen muß man sich schämen.“ Oder „ Du bist ein völliger Versager.“

Dummerweise erhält dieses pathologische Denken gesellschaftliche und politische Aufwertung: Die Kita-,Ganztagesschul- und Betreuungsgelddiskussion geht für meinen Geschmack genau in die falsche Richtung, da Kinder möglichst schnell erwachsen und damit leitungsfähig werden und ihre Eltern möglichst wenig Zeit mit ihnen, sondern am Arbeitsplatz verbringen sollen. Schließlich geht es um unser Bruttosozialprodukt und die Rentenbeiträge. Das Kranke an solcher Argumentation erkennen nur wenige.

Die beste Narzissmusprävention ist Zeit. Viel Zeit, die Eltern ihren Kindern schenken sollten!

 



Wo eine Gesellschaft möglicherweise endet, die pathologischen Narzissmus nicht bändigen kann oder will, möchte ich demnächst hier zum Besten geben.

 

Freundlichst

Ihr Dr. Jakobeit

 

 

 

Selektivvertrag der AOK mit MEDI-Verbund über Psychiatrie,Neurologie und Psychotherapie

Für die Versicherten der AOK Baden-Württemberg soll die ambulante fachärztliche und psychotherapeutische Behandlung verbessert werden. Deshalb hat der Marktführer mit dem Hausärzteverband MEDI einen Selektivvertrag (§73c SGB V) für seine Versichterten geschlossen. Das komplexe Vertragswerk ist hier nicht im Detail zu erörtern. Für alle drei Teilfächer gibt es besondere Abrechungsziffern für die teilnehmenden Fachärzte und Psychotherapeuten, wobei diesen versprochen wird, daß sie deutlich höhere Honorare für ihre Leistungen erhalten sollen, als im kassenärztlichen Versorgungsbereich (Kollektivvertag) üblich.

Für Sie als gesetzlich AOK-Versicherter soll ein Facharzttermin binnen weniger Tage möglich werden und gegenüber Versicherten anderer Krankenkassen würde eine Sonderbehandlung erfolgen, die beispielspeise in der Gewährung von Terminen in einer Abendsprechstunde, schnellerer Information ihres Hausarztes durch Übermittlung eines Facharztbriefes binnen 5 Werktagen und einer genehmigungsfreien Psychotherapie bestünde.

Klingt doch prima! Oder?

Denken Sie doch mal nach! Warum kommt der Marktführer auf die Idee, so ein Vertragswerk mit einem Hausarztverband zu schließen? Nun, Sie - ja Sie! - müssen sich verpflichten, durch Ihre Unterschrift. Ähnlich wie beim Hausarztvertrag bindet er Sie an die betreffenden Ärzte. Ohne Überweisung läuft praktisch nichts. Hausärzte, die ohne Hausarztvertrag behandeln, habe das Nachsehen. Die übrigen Haus- und Fachärzte binden sich wiederum an MEDI und die AOK und werden alles tun, ihren Honorargebern nach dem Munde zu reden, sprich ihr Verordungsverhalten und ihr therpeutisches Vorgehen nach deren Wünschen zu gestalten.

Statt eines Vieraugengespräches zwischen Ihnen und dem Arzt Ihres Vertrauens, also Gespräche unter vier Augen, werden Sie es ausschließlich mit Ärzte zu tun haben, die das Vertrauen der AOK genießen.

Anders ausgedrückt: Im Untersuchungszimmer sitzt zukünftig ein unsichtbarer Dritter: Der Sachbearbeiter der AOK und ein unsichtbarer Vierter: Der Abrechungsmitarbeiter von MEDI, der das Arzthonorar auszahlt.

 

Wollen Sie das? Stellen Sie sich das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Psychiater so vor?

Möchten Sie, daß Ihr Arzt noch mehr in seinem Handeln beschnitten wird, nur damit er seine Praxis nicht aufgibt und für einige Euros mehr, die im Bereich der Psychiatrie auch nach Vertragsbeitritt immer noch nicht kostendeckend sind, seine Dienste weiter ambulant unter diesen Voraussetzungen anbietet?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind schon viel zu mächtig. Sie mischen sich mit sogenannten "Case-Managern" in die Behandlung ihrer Versicherten ein, rufen arbeitsunfähige Patienten zuhause an, laden sie zu Gesprächen in ihre Geschäftsstellen ein, mißtrauen der Vertragsärzten und unterstellen stillschweigend und unausgesprochen "Gefälligkeitsatteste". Sie veranlassen Begutachtungen durch den medizinischen Dienst bei hochgradig verunsicherten Patienten mit Depression und Angsterkrankungen....

 

Sind das Personen Ihres Vetrauens??

 

Denken Sie darüber nach!

 

Freundlichst

Ihr Dr. Jakobeit

Alles depri... oder wie?

Ein Drittel aller Erwachsener sollen psychisch krank oder zumindest seelisch angeschlagen sein...... Die Zeitungen und Massenmedien überstürzen sich mit Hiobsbotschaften von der Depressionsfront. Hochbezahlte Fußballtrainer sind "burn out". Auszeit nehmen ist in. Rentenversicherer schlagen Alarm: Die meisten Frühberentungen sind mittlerweile Folgen psychischer Erkrankungen.

In den Hausarztsprechstunden werden immer mehr Klagen über Leitungsknick, Stimmungstiefs und Schlafstörungen laut.

Depression heißt das Modewort, mit dem dieses Mysterium beschrieben und erklärt werden soll. Als Antwort erhalten die Betroffenen sogenannte professionelle Hilfe von Psychotherapeuten jedweder Ausrichtung. Auch die Krankenversicherer wittern Ungemach und stellen spezielle Programme der Depressionsbehandlung vor. Entspannugstraining soll es bringen, Fernöstliches wird empfohlen, oder ganz platt die Empfehlung gegeben: "Tun Sie doch mal was für sich!". Wellnesswochenende im Allgäu vielleicht?

Kommentar: In einem Land der Überflüsse, in dem es von allem zuviel und von nichts mehr zu wenig gibt (inklusive Staatsschulden), scheint die Biologie des Primatengehirns schlicht und einfach überfordert. Über Jahrmillionen mußte unsereins, bzw. das was wir für unsere Vorfahren halten, sich ums blanke Überleben kümmern. Sprich: Essen, Trinken, Schlafen, Fortpflanzen. Auch in den Zeiten europäischer Hochkultur waren diese Alltagsdinge keineswegs unwichtig (man lese bei Goethe nach). Ideale wurde formuliert und Aufklärung als Weg aus dem Dunkel mittelalterlicher Einengung betrieben.

Und wie sieht es heute aus?

Wer alles Materielle schon hat und keine Lust mehr auf Bildung verspürt, der spielt Beziehungsspiele. Im Dooffernsehen unserer Tage bekommen wir es in unzähligen Shows und Talkrunden vorgemacht. Zuhause mit dem Partner oder der Partnerin, in der Schule und am Arbeitsplatz machen wir es nach: Beziehungsspiele bis zum Abwinken. "Was hält er wohl von mir? Mag er mich? Werde ich beachtet, oder muß ich meine Haartracht doch ganz anders stylen? Wie kann ich brühmt werden? "

Sowas strengt an! Kostet Kraft! Und dann noch die Turbo-Eventgesellschaft mit ihren "unvermeidbaren Pflichten". Mütter fahren ihre Spösslinge zu unzähligen Veranstaltungen, die diese angeblich besucht habe müßen. Urlauber quälen sich über vollgestopfte Autobahnen zum besagten Wellness-Wochenende nach Garmisch, Berufspendler hetzen ihrem Anschlußzug hinterher,.....

Wenn da das Primatenhirn nicht hohl dreht!

Fazit: Damit ich persönlich wieder klar sehe, vermeide ich es, die neuesten Veröffentlichungen zur Zunahme von Depressionserkrankungen zu lesen und schicke meinen Fernseher in Pension, nehme statt dessen das Psychiatrielehrbuch von Rainer Tölle aus dem Jahre 1988 zur Hand und lese dort, daß die Krankheitserwartung von affektiven Störungen, also Depressionen, Manien oder beides im Wechsel, ungefähr 0,6% der Bevölkerung betrage. Dabei handelt es ich um ernste psychiatrische Erkrankungen, die medikamtöser, manchmal auch stationärer Behandlung bedürfen. Ich fühle mich wieder auf sicherem Grund, denn ich weiß, daß diese Gemütskrankheiten, Gott sei dank, nicht so häufig auftreten und gut behandelbar sind, daß die betroffenen Patienten mit vollständiger Heilung rechnen und etwas gegen ihre Wiedererkrankung tun können. Diese, nicht selten auch erblich vorbelasteten Menschen, sind froh, wenn sie die Kranheitsepisode überstanden haben. Sie freuen sich daran, anschließend wieder Arbeiten gehen zu können und ihre Partnerschaft als Stütze zu haben.  Die übrigen, sogenannten Depressiven, also die Masse der heute in der Öffentlichkeit als depressiv Bezeichneten, brauchen meines Erachtens  "deutlich mehr Boden unter ihren Füßen", sprich: Einfach wieder mehr konkreten Lebensinhalt und Lebenssinn. Den kann aber kein Therapeut oder Arzt liefern.

 

Herzlichest

Ihr Dr. Gottfried Jakobeit

 

Altersheime, Ruhigstellung und Krankenkassen

Vor ein paar Wochen trat eine namhafte gesetzliche Krankenkasse (eine von denen, die nach der Fusion noch lebensfähig ist)  mit einer von ihr in Auftrag gegebene Studie an die Öffentlichkeit. Deren Inhalt wurde in der Tagespresse und auch in den elektronischen Medien gerne aufgegriffen und von den Berufsempörten eifrig kommentiert. Unter anderem wurde darin der Einsatz von Psychopharmaka in Altenheimen gerügt. Er würde v.a. ersatzweise für die geringe pflegerische Versorgung mißbräuchlich eingesetzt um Bewohner ruhigzustellen (altbekanntes Thema).

Bum.... Da haben wirs mal wieder! Wir, die Unschuldigen, die Ihre geliebten alten Eltern in gutem Vertrauen an die fachliche Kompetenz den Pflegenden und Ärzten in diesen Einrichtungen anvertrauen, werden hintergangen von sedierungswütigen Hausärzten, die in gemeinsamer Sache mit den faulen, kaffeetrinkenden Altenpflegern und Schwestern, unsere Lieben narkotisieren und mit Magensonden zwangsernähren.......

Skandal!

Mein Kommentar: Altenheime sind die Kehrseite eine Hochleistungsgesellschaft, die durch pathologisch gesteigerten Konsum und Wachstumsfetischismus (mehr Autos, mehr Landschaftverbrauch, mehr Urlaubsreisen, mehr Einkommen, mehr Schulden....)sich in einer Endlosspirale dreht, die nicht (mehr oder genug) Leistungsfähigen nur noch existentielle Randplätze übrig läßt, bzw. zuweißt. Jenen alten Menschen wird aber der Zugang zu moderner Medizin immer mehr (de facto) verwehrt. Sie passen nicht in eine DRG-finanzierte Krankenhauslandschaft, weil sie länger für Genesung und Stabilierung Zeit brauchen, als das derzeit praktizierte, gerade von den Krankenkassen geförderte Krankenhausfinanzierungssystem zuläßt. So werden häufig schwerst Kranke in Altenheimen untergebracht, obwohl sie eigentlich krankenhausbehandlungspflichtig sind. Psychomotorische Unruhe, Halluzinationen, Schlafstörungen, Ängste, Depressionen und Demenzen sind in dieser Patientengruppe häufiger als  im Gesamtkollektiv aller Versicherten. Ich besuche 8 Altenheim regelmäßig, überblicke die Psychopharmakotherapie vieler Patienten und Patientinnen dort. Den Eindruck, den die Studie vermitteln will, kann ich nicht teilen. Ganz, ganz überwiegend begegnen mir verantwortungsbewußte und aufopferungsbereite Pflegekräfte und Helferinnen, die trotz der vielfältigen Mängel (an Zeit, Geld, hin und wieder auch an Räumlichkeiten) ihr Bestes geben und auch verordnete Bedarfsarznei sehr zurückhaltend einsetzen. Ein großes Kompliment auch an die Hausärzte, die wesentlich kompetenter als vor 10 Jahren mit dem breiten Spektrum der Psychopharma umgehen. Abhängigkeitserzeugende und sturzriskioerhöhende Benzodiazepine wurden in den Altenheimen weitgehend aus den Verordnungsbögen verbannt.

Fazit: Den Verantwortlichen der besagten Versicherung sein an Herz gelegt: Kümmert euch doch um eure wichtigste Aufgabe. Sorgt dafür, daß alle Versicherten in den Genuß der ihnen zustehenden Leistungen ihrer Krankenkassenmitgliedschaft kommen. Laßt den pseudowissenschaftlichen, verallgemeinernden und den letztlich diffamierenden Kampanienjournalismus sein. Nehmt Eure Studien zum Anlaß, doch mal regelmäßig ins nächste Altenheim zu gehen und fragt dort nach, ob es nicht den einen oder anderen Bewohner gibt, der euer Angebot wahrnehmen will, zweimal die Wochen im Rollstuhl mit nach draußen genommen zu werden. Wie wärs damit? Ich hätte übrigens noch viel mehr Vorschläge für Euch!

 

Euer Dr. Jakobeit

Kontakt und Terminver-einbarung

Privatärztliche Psychiatriepraxis Dr. Jakobeit

Ahornweg 15
74869 Schwarzach/Baden

 

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 und mobil: 0170/1087736 (jederzeit)

 

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